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#tothetop – Rückblick auf die U19 WM

Flemming Kühl U19 WM

Flemming lief vom 29.04. bis 03.05. bei der U19 Floorball Weltmeisterschaft in Helsingborg für Deutschland auf. Gut zwei Monate später blickt er nochmal auf das Event zurück und verrät uns auch, was hinter den Kulissen so los war.

KletterhalleNach einem fünftägigem Vorbereitungslager in Hamburg, in dem wir uns noch den Feinschliff in den einzelnen Lines holten, reiste die Mannschaft in der Nacht vom 26.04. mit der Fähre, optimal durch das professionelle Umfeld mit Trainer und Staff vorbereitet, nach Schweden. Die Stimmung im ganzen Team war die ganze Zeit über großartig. Als wir in Schweden ankamen, ging es nach einem sensationellen Frühstück in eine Kletterhalle, in der wir unserem Motto #tothetop wortwörtlich nachgingen.

Nach dem Klettern reisten wir dann zu unserer Unterkunft. Es war ein schönes, großes schwedisches Haus, ein wenig abgelegen mit Sauna, Garten und nah am Wasser. Perfekt für die Erholung und Regeneration zwischen den Spielen. Schon bei der Ankunft merkte man, dass alles dafür getan wird, dass wir optimal vorbereitet sind. Motivationssprüche, Deutschlandflaggen und Namensschilder schmückten das Haus. Ich war natürlich mit Lukas auf einem Zimmer.

Nach zwei Tagen weiterer Vorbereitung und Motivation wurden wir – wie vor jedem anderen Spiel auch – in Kleinbussen zum ersten Spiel gegen Japan chauffiert. Wir hatten ein paar feste Rituale: Zur Einstimmung auf das Spiel wurde der Gettho-Blaster in der Kabine aufgerissen: Vorher konnte jeder einen Song nennen, der ihn besondern mit Floorball verbindet und motiviert. Besonders vor dem ersten Spiel war die Aufregung groß: Start der Weltmeisterschaft!

KabineNach dem Aufwärmen ging es wieder in die Kabine zu einer letzten Ansprache, anschließend, vor dem Einlaufen, haben wir als Team so laut und so lange wie nur möglich gesungen. Für Außenstehende mochte das zwar nicht nach Gesang klingen, für uns war es aber Motivation pur, immer ein besonderer Moment! Und dann ging es los: Noch Geschreie im Gang, Lichter links und rechts und der Lärm der Halle.

Auch das war jedesmal wieder unglaublich und einer der Momente, die mir besonders im Kopf geblieben sind. Dann natürlich noch die Nationalhymne – beim ersten Spiel noch eher in einer Art Freestyleversion, aber da konnten wir uns im Turnier deutlich steigern – das Einschwören im Kreis, die Starting-Six, Anpfiff!

Als erstes ging es gegen Japan. Ich saß am Anfang auf der Bank. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten fanden wir in unser Spiel und trafen nach 9:51 im ersten Drittel zum 1:0. Im restlichen Spielverlauf wurden wir dann unserer Favoritenrolle gerecht und gewannen das Spiel souverän mit 18:1. Mitte des zweiten Drittels durfte ich aufs Feld und konnte sogar ein Tor beisteuern. Das hat mich natürlich sehr gefreut und den Ball habe ich mir als Trophäe natürlich aufgehoben: Er steht jetzt in meinen Zimmer auf dem Regal.Flemming Kühl U19 WM

Am nächsten Tag ging es gegen den erwartet schwereren Gegner Estland. Unser Cheftrainer Thomas Berger machte uns klar, dass es heute um den Gruppensieg ging. Zwar saß ich am Anfang wieder auf der Bank, doch das störte mich überhaupt nicht: Das Team gewinnt! Und dafür kann man auch von der Bank sehr viel tun. Nach zwei ersten knappen Dritteln – Spielstand 4:3 für uns – konnten wir im letzten Drittel wieder unsere Stärken aufspielen und bis zum Ende den Spielstand auf 9:3 hochschrauben. Ein anfangs schwieriges Spiel stark nach Hause gefahren, so konnte es weitergehen.

Nach den Spielen eigentlich gleich wieder das nächste Ritual: Nudeln essen bei uns in der Unterkunft! Für die Zeit danach hatten wir zum Glück zwei Physios dabei, die uns fit gehalten haben. Für die anderen 18 hieß es PS4 zocken, eine Runde Karten spielen oder einfach nur schlafen. Außerdem gab es noch ein paar Gespräche innerhalb der Linien. Am Abend gab es immer sehr gutes Essen – daran hat es wirklich nicht gemangelt – und eine Nachbesprechung vom vergangenen Spiel und eine Vorbesprechung für das kommende Spiel.

Am Abend nach dem Spiel gegen Estland erfuhr ich, dass ich für das Spiel gegen Australien von Anfang an ran durfte – die Aufregung war groß, die Vorfreude größer! Zum Reinkommen in den Tag sind wir morgens meist spazieren oder joggen gegangen. Danach das Beste am Morgen: Frühstück mit Rührei und Speck! Im dritten Gruppenspiel gegen Australien wollten wir noch einen Schritt vorwärts gehen und uns optimal aufs Halbfinale vorbereiten. Mit dem Sieg gegen Estland im Gepäck konnten wir frei aufspielen und das Spiel mit 16:1 für uns entscheiden: Zweiter Treffer für mich und noch wichtiger, Halbfinale!!Frühstück

Am Abend nach dem Spiel war dann „Tag der offenen Tür“ für Fans, Freunde und Familie angesagt. Als meine Eltern mir dann einen Scheck und ein T-Shirt übergaben war ich doch sehr überrascht. Es hat mich riesig gefreut, dass so viele von euch zu Hause die Daumen drücken und mich unterstützen wollen! Klasse Aktion, danke nochmal!!Fans U19 Weltmeisterschaft

Samstag dann das Spiel gegen Ungarn: Harter Gegner, körperlich überlegen. Sie bereiteten uns doch so einige Probleme, da sie besonders bei Kontern extrem gefährlich waren und hinten robust standen. Kurz vor Schluss dann aber der Treffer ins leere Tor, 5:3 für uns, die Entscheidung!! Danach wurde mit Team, Fans und Staff noch ausgiebig auf dem Feld gefeiert. Auch das wird einer der Momenten sein, den man so schnell nicht wieder vergisst.

Am Sonntag ging es dann in das Finale gegen Dänemark: Große Halle, große Tribüne, geile Kabinen, vier Mediawürfel an der Decke – krasse Atmosphäre. Ansprache in der Umkleide, Singen, Einlaufen mit Nebel und Scheinwerfern! Wir wollten dieses Spiel gewinnen. Es war das, worauf wir so lange hingearbeitet hatten. Wir konnten drei Mal in Führung gehen, aber Dänemark glich immer wieder aus. In einem an Spannung nicht zu überbietendem Spiel ging es nach 60 Minuten in die Verlängerung: Der erste Treffer entscheidet das Spiel.Kabine

Nach 16 Sekunden das Tor… Nur leider auf der falschen Seite, Dänemark ist B-Weltmeister. Die Enttäuschung war natürlich riesig. Der Traum, für den wir alle als Team zwei Jahre gearbeitet hatten, war geplatzt. Trotzdem bleiben die Erfahrungen und die Erinnerungen mit dem Team. Es war die schönste Zeit in meinem Leben und ich bin so stolz, dass ich ein Teil von diesem Team sein durfte.

Das Team, die Organisation, der Trainer und der Stuff haben eine unvergessliche Zeit ermöglicht. Aber auch die Fans in der Halle und zu Hause waren sehr wichtig. Deswegen möchte ich mich hier auch nochmal bei allen bedanken, die mich auf diesem Weg unterstützt haben. Aber der Weg ist nicht vorbei. Es geht weiter. In zwei Jahren findet die nächste u19 WM in Växjo, Schweden statt und ich werde alles dafür mögliche tun, wieder dabei zu sein und Deutschland endlich in die A-Division zu führen!

#stilltothetop